 |
 |

Mísia malt Tränen in allen Sprachen.*
Mísia ist eine Pionierin, ein freier Geist.
Ihren Weg erfindet sie anhand von Reisen, musikalischen, poetischen, geografischen Reisen. Ohne Zweifel muss man das als eine Notwendigkeit für eine Künstlerin verstehen, die zwischen zwei Kulturen aufwuchs : die ihres Vaters, portugiesisch, bürgerlich, zurückgezogen, und die ihrer Großmutter und ihrer Mutter, spanisch, künstlerisch, von ungezügelter Überschwenglichkeit.
Ihre Kindheit und frühe Jugend verbringt sie in Porto, der Stadt ihrer Geburt, der Stadt, wo sie zum ersten Mal in einer "Casa de Fado" vor einem einfachen Publikum Fados gesungen hat. Als junge Frau entschließt sie sich, sich in Barcelona nieder zu lassen , um dort eine Karriere voller Strass, Federn und Entblößungen in den mythischen Cabarets des "Paralelo"(des catalanischen Broadways) zu beginnen. Dort, wo die kleinen Dummheiten des "destape" (die Zeit der maßlosen Befreiung der Sitten unmittelbar nach dem Ende der Franco Dikatatur) sich mal besser, mal schlechter im Kitsch der Kostüme, in übertriebenen Make-ups, im starren Lächeln der Revue verbinden. Aber was soll's, man muss schließlich ein Handwerk erlernen, auf die eine oder andere Weise.
Später beschließt Mísia, sich in Madrid nieder zu lassen. Es ist die Zeit nach der "movida". Des Nachtlebens. Die ersten ernsthaften shows entstehen. Der Pagenschnitt , der geometrische Pony, die Kunstfigur. Aber Mísia ist auch fähig, wie eine disziplinierte Marathonläuferin jeden Morgen 5 neue Titel aus dem schier unerschöpflichen Repertoire des internationalen Schlagers zu lernen und im Fernsehen vorzuführen, Monate lang.
Nachdem sie alles und jedes ausprobiert hat, ohne sich jemals festzulegen, was sie mit ihren künstlerischen Ambitionen letztendlich anfangen soll, entscheidet sich Mísia schließlich, in ihr Geburtsland zurück zu kehren. Niemals hat sie die Erleuchtung vergessen, die der Fado für sie als junge Frau war, und die Atmosphäre in den "Casas do Fado", den dunklen, verrauchten Kneipen, wo sich die verschiedensten Leute trafen. Sie zieht nach Lissabon mit dem felsenfesten Vorsatz : IHREN Fado zu singen. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie eine sehr genaue Vorstellung davon, was sie machen will.
Als sie anfängt, weiss sie nicht, dass der Fado seit dem Ende der Salazar Diktatur umstritten ist. Der Fado war von der Diktatur instrumentalisiert worden, als Propagandamedium missbraucht, als Mittel zur Unterdrückung und Kontrolle des Geistes benutzt worden. Mit Ausnahme einiger großer Gedichte transportierten Fados die Ästhetik eines kleinen und armen Portugals, ohne Ambitionen, aber glücklich.
Die Aufgabe ist riesig, und Mísia stürzt sich in eine Art Inventur des Genres, studiert das Repertoire der traditionellen Fados, nimmt Kontakt auf zu Dichtern und beauftragt sie damit, neue, literarische Texte zu schreiben. Zur "klassischen" Fado Besetzung holt sie die Violine und das Akkordeon hinzu, die sie in den Strassen ihrer Kindheit Fado spielen hörte, und das Piano der aristokratischen Salons des 19. Jahrhunderts. Sie unterzieht den Fado einem wahren ästhetischen Lifting der Form und des Inhalts.
Kurz, kaum in Portugal angekommen macht sich Mísia Feinde. Das linke Publikum wirft ihr vor, sich für eine konservative und reaktionäre Kunst zu interessieren, während die Verteidiger der Tradition ihr ihre Ansichten und ihr Image verübeln. Auch durch die Zusammenarbeit mit für ihr Engagement bekannten Dichtern scheint sie die Gepflogenheiten, die das Genre umgeben, zu verletzen. Dennoch besteht die Künstlerin auf ihrem Weg, sie will ihrer Vision treu bleiben. Sie kann nicht anders. Ohne es zu wissen öffnet sie neue Wege. Mísia ist eine Pionierin, mit allen Risiken, die das mit sich bringt. In erster Linie das der Einsamkeit unter ihres Gleichen.
Der erste Erfolg stellt sich im Ausland ein, vor allem in Spanien und in Japan, später in Frankreich und Deutschland und schließlich in der ganzen Welt; man kann mit Fug und Recht von einer internationalen Karriere reden. Ab 1993 ist sie die zweite Künstlerin, nach Amalia Rodrigues, die den Fado auf die größten Bühnen der Welt bringt.
Schon die ersten CDs werden enthusiastisch gefeiert. Die immer kreativen Projekte finden die Zustimmung des Publikums, die Verkäufe steigen. Zahlreiche Ehrungen folgen. "Mísia Fado", ihre 2. CD, kommt in Japan, Südkorea und Spanien auf den Markt. "Tanto menos tanto mais" erhält den Preis der Akademie Charles Cros. "Garras dos sentidos" verkauft sich 250 000 mal. Zum ersten Mal vereinen sich Akkordeon, Violine und Piano in Fado Arrangements. Auf "Paixoes diagonais" wird ein Fado von Maria Joao Pires auf dem Klavier begleitet.
"Ritual", eine Hommage an die "Fadistas" der "Casas de Fado" wird, wie in den fünfziger Jahren, durchgängig mit Röhrenmikrophonen aufgenommen, und stellt das Repertoire der volkstümlichen Texte vor. Mit diesem Album stellt Mísia ihre Musik erstmals auf der Bühne des legendären Palais des Papes beim Festival von Avignon vor. "Canto", das Album, mit dem sie sich vom Fado entfernt, ist eine Arbeit auf der Grundlage des instrumentalen Werks des portugiesischen Komponisten und Gitarristen Carlos Paredes. Diese CD, auf der das Ensemble durch ein Streichquintett ergänzt wird, erhält den Preis der deutschen Schallplattenkritik. "Drama Box" ist das Album der Leidenschaft. Hier treffen sich Tango, Bolero und Fado, und als Gäste erscheinen Fanny Ardant, Miranda Richardson, Ute Lemper, Carmen Maura und Maria de Medeiros. Die Bühnenshow von "Drama Box" ziert ein Foto von Sophie Calle.
"Ruas", das neue Werk, ist ein Diptychon auf 2 CDs.
Auf der ersten CD, "Lisboarium", träumt Mísia aus der Ferne von Lissabon, ein von "saudade" gefärbter Traum, da die Künstlerin seit mittlerweile 3 Jahren in Paris lebt. "Lisboarium" ist eine subjektive, poetische Inventur der Stadt, mit einer Auswahl von Texten und Kompositionen, die die Stadt inszenieren und beschreiben. Zwar dominieren die Fados, aber es gibt auch zwei Abstecher zu anderen Genres, die den Klang der Stadt mitbestimmen: die "Marchas de Lisboa", jene Stadtviertel Paraden, die seit 1932 alljährlich im Juni stattfinden, und eine kapverdische "Morna", "Joana Rosa", vom portugiesischen Komponisten Vitorino Salome.
"& Tourists", die zweite CD, ist das Album der Reisen, die in den letzten zwanzig Jahren Mísias musikalische Sensibilität beeinflusst haben.
"& Tourists" ist auch ein Album, dass die Werke von Künstlern aus aller Herren Länder versammelt, die aus den unterschiedlichsten musikalischen Ecken kommen, aber sich alle geschunden haben, vom Schicksal verwundet wurden. Mit ihnen teilt Mísia ihr tragisches Verhältnis zur Musik und zum Leben, das ist ihr "Stamm".
Von "Nine Inch Nails" (Hurt) über "Joy Division" (Love will tear us apart), Camaron de la Isla (Como el agua), Barbara (Attendez que ma joie revienne), Dalida (Pour ne pas vivre seul), hat sich Mísia Repertoire entliehen. Mit Peppe Servillo von "Avion Travel", Agnes Jaoui, dem Ney Spieler Kudsi Erguner und dem Akkordeonisten Daniel Mille hat sie Duos aufgenommen. Und beim Erforschen dieser fremden Territorien, die die gleichen Gefühle wie der Fado kennen, ist sie einen weiteren Schritt auf dem Weg gegangen, den sie selbst angelegt hat und der uns daran erinnert, dass es wohl unendlich viel unterschiedliche musikalische Genres gibt, aber dass es letztendlich nur einen Gesang gibt : den der Seele. Und dass dieser Gesang universell ist.
* "Mísia drawing tears in any language." Johanna Keller, New York Times.
|
 |
 |
 |

AUSZEICHNUNGEN & PREISE
2011 » Orden der Künste & der Literatur(Offizier), FR

2010 » Renato Carosone Award, IT

2009 » Vö.: Ruas

2005 » Verdienstorden, PT » Release: Drama Box

2004 » Die Grosse Vermeil Medaille der Stadt Paris, FR » Orden der Künste & der Literatur (Ritter), FR » Preis der deutschen Schallplattenkritik, DE » Prix au Festival International du Film » d'Art et Pédagogique - (Le Fado de Misia » von Carmen castillo), FR

2003 » Vö.: Canto

2001 » Vö.: Ritual

1999 » Vö.: Paixões Diagonais

1998 » Silver Disc, Garras dos Sentidos, PT » Release: Garras dos Sentidos

1996 » Grand Prix de lŽAcadémie Charles Cros, FR
SAALE WO MÍSIA ALS ERSTE KÜNSTLERIN FADO AUFGEFÜHRT HAT
Philarmonie Berlin, Deutschland

Alter Oper Frankfurt, Deutschland

Musikhalle Hamburg, Deutschland

Festival de Jazz de Montreux Montreux, Schweiz

Grande Cour d'Honneur du Palais des Papes Festival of Avignon, Frankreich

Teatro Nacional Maria Guerrero Madrid, Spanien

Palácio de Congressos Madrid, Spanien

Festival El Grec Barcelona, Spanien

Grande Auditório da Culturgest Lissabon, Portugal

Festival de Capuchos Portugal

Théâtre des Champs Elysées Paris, Frankreich

Maison des Cultures du Monde Paris, Frankreich

Théâtre du Châtelet Paris, Frankreich

Womad Festival Adelaide, Australien

Midem Cannes, Frankreich

Konzerhaus Vienna, Österreich

Berkeley Performance Boston, USA

Cleveland Museum of Art Cleveland, USA

Helsinki Finnland

Listner Audiotorium Washington, USA

Ravinia Jazz Festival Chicago, USA

Dranouter Festival Dranouter, Belgien

Teatro Gral. San Martín Buenos Aires, Argentinien

Palais des Beaux Arts Brussels, Belgien

Flagey Brussels, Belgium

Le Carré Amsterdam, Niederlande
|
 |